Chapter 24: S. Roberto x D. Suárez

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,,Cariño" lächelte Denis und setzte sich zu mir. Behutsam legte er seine Hand auf meine, ,,ich weiß Abschiedpartys haben einen traurigen Anlass, aber trotzdem solltest du nicht nur hier sitzen und die Wand anstarren."

,,Tja, wir feiern für dich demnächst auch eine. Da habe ich noch genug Zeit zum Feiern" erwiderte ich schnippisch. Ich wusste, dass es nicht fair war, ihm -gerade heute Abend- Vorwürfe zu machen. Aber ich konnte nicht anders. Seit Wochen steht das Gerücht im Raum, dass er Barcelona verlassen und ausgeliehen werden werden möchte. Anstatt mir zur erklären, was es damit aufsich hat, oder mit mir über seine Ziele zureden, blockte er bei dem Thema ab. Im schlimmsten Fall mied er mich die nächsten Tage und tat danach so, als wäre nie etwas gewesen.

,,Können wir darüber morgen reden? Es wäre nicht fair jetzt über meine Zukunft zureden, wenn es heute nur um Andres gehen soll" bat er mich und zog seine Hand langsam weg. Da war es schon wieder...

,,Weißt du, was nicht fair ist? Dass du dem Thema ständig ausweichst!" rief ich wütend und bemerkte nicht, dass sich ein paar unserer Teamkollegen verwundet zu uns drehten.

,,Sergi, bitte. Lass uns das morgen klären und den Abend genießen" versuchte Denis mich noch einmal vergebens zu beruhigen. Ich wusste, dass wenn ich auf seinen Vorschlag eingehen würde, wir morgen definitiv nicht über seinen Wechsel reden würden. Irgendwie würde er es wieder schaffen, den ganzen Tag zu verschwinden.

,,Ich kann den Abend nicht genießen!" schrie ich noch lauter als vorher, ,,du bist gerade dabei unsere Beziehung zuruinieren und bemerkst es noch nicht mal! Du willst dich einfach nach Sevilla oder was weiß ich nicht was verpissen ohne etwas zu sagen! Verdammt Denis, so funktioniert keine Beziehung! Wenn du mich liebst, dann würdest du mit mir reden und zusammen eine Lösung finden, aber scheinbar ist es nicht so. Vermutlich war es nie so, richtig? Dir hat unsere Freundschaft+ Beziehung, die wir vorher hatten, besser gefallen und du hattest Angst, dass du deinen besten Freund verlieren würdest, wenn du seine Gefühle nicht erwiderst! So ist es doch oder? Du hast mich nie so geliebt, wie ich dich geliebt habe oder es immer noch tue - wenn du mich überhaupt jemals geliebt hast."

Nach meinem langen Redefluss lagen erst recht alle Blicke unserer Teamkollegen auf uns. Die Musik war aus und eine angestrengte Stille herrschte im Raum. Erst jetzt realisierte ich, dass ich Denis ohne nach zudenken und auf seine Gefühle zuachten alles an den Kopf geworfen hatte, was sich die letzten Wochen angestaut hatte. Auf der einen Seite fühlte es sich gut an, den ganzen Druck losgeworden zusein. Auf der anderen Seite war mir bewusst, dass ich ihn verletzt hatte. Dazu musste ich nicht mal in seine glasigen Augen gucken oder seinen unruhigen Atem hören.

Denis schüttelte seine Gedanken zurecht und schluckte den großen Kloß in seinem Hals runter. ,,Wenn ihr uns kurz entschuldigen würdet, wir haben ein paar Dinge zu klären" gab er knapp an unsere Kollegen gerichtet wieder und zog mich die Treppe hoch in eines der ersten Zimmer. Genau wusste ich nicht, was es für ein Zimmer war, da Xavi die Abschiedparty für seinen Verlobten in dessen Villa feierte, aber vermutlich war es ein Gästezimmer.

,,Sag mal, kommst du eigentlich klar?! Was fällt dir ein, mir vor zuwerfen, dich niemals geliebt zu haben? Weißt du wie verletzend das ist?" fauchte mein Freund dirket und ließ meine Hand los.

Genervt verdrehte ich die Augen und beschloß, dass ich diesmal nicht weich werden würde. Denis war immerhin der jeninge, der scheiße gebaut hatte. ,,Mindestens genauso verletzend wie die Tatsache, dass du, ohne mir etwas zusagen, Barcelona verlassen willst..."

,,Ich wollte mit dir reden, aber ich wusste nicht wie" seufzte mein Freund diesmal ruhiger.

,,Wie wäre es mit Hey Liebling, ich möchte mich ausleihen lassen, weil ich hier nicht genug Spielzeit bekomme?! Mehr hätte ich nicht erwartet!" knurrte ich. Ich war sein Freund, wenn er Angst hatte mit mir über seine Zukunft zureden, lief in unserer Beziehung auf jeden Fall etwas falsch.

,,Ich dachte, dass du sauer wärst" murmelte Denis und von seiner starken und lauten Stimme am Anfang, war nichts mehr da.

,,Ach so, klar!" rief ich und lachte leicht auf, ,,mein Freund hat die Chance bei einem anderen Verein Stammspieler zu werden und sich sportlich weiterzuentwickeln... Mensch, das macht mich echt sauer!"

,,So meinte ich das nicht und das weißt du..." blickte mich mein Freund gequält.

Dass er immer noch nicht verstand, weshalb ich so wütend war, machte ich noch rasender und langsam platze mir der Kargen:,,Scheiße Denis, ich weiß es eben nicht! Seit Wochen redest du kaum noch mit mir und blockst immer ab! Was soll das?!"

,,Es tut mir leid, wenn ich dich verletzt habe, das wollte ich nicht. Ich hatte einfach Angst, dich durch den Wechsel, den Umzug und die neue Entfernung zu verlieren" rückte er endlich mit der Sprache raus und schaute beschämt zu Boden. Mein Mitleid und Verständnis für ihn hielt sich trotzdem in Grenzen.

,,Dann herzlichen Glückwunsch, wenn du so weiter machst, dann wirst du mich weder durch den Wechsel noch durch den Umzug oder die neue Entfernung verliern, sondern durch deine egoistische Denkweise."

Denis Kinnlade klappte leicht herunter und seine Augen weiteten sich. Scheinbar hatte er jetzt endlich verstanden, was hier auf dem Spiel stand. ,,W-wie meinst du das?"

,,So wie ich es gesagt habe. Realisier endlich, dass du mit solchen Entscheidungen nicht nur dein, sondern auch mein Leben veränderst." Ohne ein weiteres Wort ließ ich meinen Freund im Zimmer stehen und sprintete so schnell ich konnte die Treppe herunter. Am Ende standen Andres und Xavi, die sich leise unterhielten doch sofort aufhörten, als sie mich bemerkten. Keiner von den beiden wusste vermutlich, was jetzt eher angebracht war, ein "Ist alles okay?" oder lieber ein "Was ist passiert?".

,,E-es tut mir leid, dass ich deinen letzten Abend so ruiniert habe" unterbrach ich die Stille, bevor einer von ihnen etwas sagen konnte. Um ehrlich zu sein, war mir die Situation schon peinlich genung und ich wollte weder die eine, noch die andere Frage hören.

,,Du hast ihn nicht ruiniert, wirklich nicht. Viel wichtiger ist, was mit euch zwei los ist" lächelte Andres aufmunternd und deutete nach oben.

,,Ich habe keine Ahnung. E-er, könnt ihr ein bisschen auf ihn aufpassen? Wir hatten gerade den schlimmsten Streit unserer Beziehung und ich will nicht, dass er etwas Dummes anstellt" seufzte ich schwer und fuhr mir durch die Haare.

,,Klar, machen wir" nickte Xavi und musterte mich prüfend, ,,aber wer passt auf dich auf?"

,,Ich komme klar. Ich will einfach nur nach Hause" erwiderte ich und verabschiedete mich nach zwei langen Umarmungen von unseren Legenden.

Zu Hause angekommen zog ich direkt meine Klamotten aus und kuschelte mich in mein Bett, in dem ich seit vielen Monaten mal wieder alleine lag. Was war das bitte für ein bescheidener Tag?

Einmal verabschiedete sich Anders Iniesta von seinem Herz- und Heimatclub. Die lebende Legende, die 22 Jahre bei Barcelona spielte und 443 Spiele für den Club bestritt, spielte in der kommenden Saison in der japanischen Liga. Die schwerste Aufgabe, die wir jemals hatten, würde es sein, unseren Kapitän so gut es ging zu ersetzten. Vollständig würde das nie möglich sein, dazu waren seine Fußstapfen zu groß.

Und dann war der Streit mit Denis. Ist es nicht irgenwie ironisch, dass wir Menschen immer die verlieren, die wir nie verlieren wollen? Ich habe keine Ahnung, wie oft wir uns schon versprochen haben, dass wir immer für einander da sind, wir uns für immer lieben werden oder nichts und niemand zwischen uns kommt. Wir dachten immer, dass wir ein einspieltes Team wären. "Du und ich gegen den Rest der Welt" sagte er am 26.02.2017, als wir unsere Freundschaft+ Beziehung endgültig in eine feste Beziehung verwandelten. Ich erinnerte mich an diesen wunderschönen Abend, als wäre er gestern gewesen. Zuvor hatten Denis und ich unseren ersten großen Streit -wie man sich denken konnte, war die ganze Freundschaft+ Sache nicht ganz so einfach, wie es sich anhörte. Er hatte nebenbei noch etwas mit seiner Ex-Freundin am laufen, was mich so verletzt hatte, dass ich mit einem Mann, den ich online kennegelernt ausgegangen bin. Das hat wiederum Denis nicht gefallen, weshalb er unsere Dates immer wieder sabotierte. Da ich das nicht auf mir sitzen lassen konnte, habe ich seiner Exfreundin, was zwischen uns gelaufen ist. Wie man sieht: wir mussten wohl beide auf den Kopf gefallen sein, wenn wir eher in der Lage waren uns so etwas anzutun, als miteinander zureden. Andres hatte von den ganzen hin und her dann genung und uns nach einem Spiel in die Kabine gesperrt. Wir haben geredet, viel geredet. Denis erwiderte mein überstürztes ich liebe dich und fügte noch hinzu, dass das seit unserem ersten Treffen tat. Ich habe ihn von der ersten Sekunde an geglaubt und ohne zu zögern meine Lippen auf seine gelegt. Nie hätte ich ihm zu getraut, dass er mich anlügen könnte und ehrlich gesagt, glaubte ich es immer noch nicht. Denis hat mir immer das Gefühl gegeben, dass ich alles für ihn war und mich auf Händen getragen. Kein Mensch der Welt konnte solche Gefühle fälschen. Wenn ich heute etwas bereute, dann das, was ich ihm vor der ganzen Mannschaft aus Frust und Wut an den Kopf geknallt hatte.

,,Sergi? Bist du noch wach?" hörte ich eine, seine leise Stimme. Bildete ich es mir ein, oder war er wirklich hier? Ich drehte auf die andere Bettseite und konnte leicht einen dunklen Körper an der Tür erkennen.

,,Denis?" hakte ich verwirrt nach, ,,ich hätte nicht erwartet, dass du nach Hause kommst."

,,Andres und Xavi wollten mich auch erst nicht gehen lassen, aber ich musste einfach zu dir. Ich kann mit dem Gedanken nicht leben, dass wir zerstritten sind" gestand er. Ungewollt musste ich leicht Lächeln, ich konnte es auch nicht.

,,Komme her..." seufzte ich und klopfte auf die freie Seite neben mir. Denis wusste sofort, was ich meinte und zögerte kurz, bevor er sich neben mich legte und sich vorsichtig an mich kuschelte.

,,Sergi, ich liebe dich. Ich weiß, dass ich es dir in den letzten Wochen nicht oft gezeigt habe, aber ich tue es. Ich habe es immer getan und ich werde es immer tun. Es tut mir so unendlich leid, dass ich nicht mit dir über meine Wechselgedanken geredet und dich weggestoßen habe. Ich will dich nicht verlieren, und auch nicht mehr mit dir streiten" redete mein Freund sofort drauf los, während ich ihm sanft druch die Haare fuhr und ihm genau zuhörte.

,,Dann lass uns nicht mehr streiten" murmelte ich und drückte ihm einen Kuss auf die Schläfe, ,,mir tut alles, was ich dir an den Kopf geworfen habe, so unheimlich leid. Ich weiß doch, dass du mich nie so hintergehen würdest. Ich liebe dich, tesoro."

Denis kuschelte sich noch näher an mich und drückte mir auch einen leichten Kuss auf den Oberkörper:,, Ist schon gut."

Nicht mein bester, aberr ich hoffe, dass er dir gefällt❤

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