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Als erster betrat ich die Kabine nach dem Duschen und ließ mich seufzend auf meinen Platz fallen. Langsam begann ich mir meine restlichen Klamotten anzuziehen und meine Tasche zupacken. Dieser Abend war einer zum Vergessen. Nicht nur, dass wir vorne keine Tore gemacht hatten, ich musste durch ein Handspiel im Sechzehner auch noch den Elfmeter verschulden, der zum Siegtor führte. Es war nicht der einzige Fehler, den ich heute gemacht hatte und ich konnte mich glücklich schätzen, dass Thibaut jeden anderen Fehler ausbaden konnte, sonst hätten wir noch höher verloren. Ich hörte die Kabinentür zufallen und wenig später ein paar Schritte, die sich näherten. Ich schaute kurz auf und sah Gareth, der nun vor mir stand und mich sauer anfunkelte. ,,Kann man dir helfen?" fragte ich unbeeindruckt und band meine Schuhe weiter.
,,Ich habe keine Ahnung, was bei dir schief läuft, aber du solltest es so schnell wie möglich in den Griff bekommen. Du bist gerade dabei alles zu ruinieren, was du dir über Jahre aufgebaut hast und damit meine ich nicht nur die Niederlage" antwortete der Waliser kühl. Mir war bewusst, dass ich es mir nach meinem Geständnis gerade mit Tonis engsten Freunden aus dem Team verscherzt hatte.
Aber wieso konnte er sich nicht um seine eigenen Probleme kümmern? Mal davon abgesehen, dass es mich sowieso nicht interessierte, was er über mich dachte, und ich auf seine Ratschläge verzichten konnte. ,,Sonst noch was?"
,,Liebst du Toni?" stellte Gareth direkt die nächste Frage. Überrascht sah ich zu ihm auf und musterte ihn prüfend. Hatte er während des Spiels einen Ball an den Kopf bekommen oder warum nervte er mich mit so offensichtlichen Fragen?
,,Was soll das?" murrte ich und verschränkte die Arme vor der Brust. Für irgendwelche Spielchen hatte ich definitiv keine Nerven mehr, wenn ich sie überhaupt jemals hatte.
,,Er schläft seit Wochen bei mir im Gästezimmer und leidet deinetwegen. Die ganze Enttäuschung und den Schmerz, den du ihm zugefügt hast, hat er nicht verdient. Sowas tut man doch keinen Menschen an, den man liebt!"
Fassungslos stand ich auf und versuchte meine aufkommende Wut zu unterdrücken. ,,Um das mal zusammen zufassen: du glaubst, dass ich Toni nicht liebe und es mir Spaß macht, ihn leiden zusehen?!"
,,Ich würde dir sogar zutrauen, dass du nie Gefühle für ihn hattest und die ganze Zeit nur mit ihm gespielt hast" zischte der Stürmer und brachte damit das Fass zum Überlaufen. Unsanft packte ich ihn an der Schulter und drückte ihn an die Wand.
,,Ich frage mich eher, was bei dir schief läuft! Denkst du wirklich, dass ich einem Mann dreieinhalb Jahre lang alle möglichen Gefühle vorspiele, um ihn anschließend fallen zulassen?!" Wenn Toni für mich nur ein Spielzeug gewesen wäre, hätte ich das doch schon vor Jahren beendet.
,,Verdammt Jungs, hört sofort auf" hörte man im Hintergrund eine aufgebrachte Stimme, die ich nicht zuordnen konnte und betäubt wahrnahm. Ich konnte mich nur auf den Waliser und seine vorherigen Worte, die sich immer wieder in meinem Kopf abspielten und mich noch wütender machten, konzentrieren.
,,Du triffst so oft Entscheidungen aus Frust und Verzweiflung - ich würde es dir zutrauen. Gerade bei dem liebevollen und hilfsbereiten Toni klappt deine Masche bestimmt perfekt" knurrte Gareth und funkelte mich herabschauend an. Ich spürte, wie jemand versuchte, mich von ihm wegzuziehen und sich zwischen uns zu drängen. Allerdings konnte ich meine angestaute Wut nicht mehr zurückhalten und holte mit meiner Faust aus, um meinem Gegenüber eine kräftigen Schlag zu verpassen.
,,F*ck" schrie eine schmerzerfüllte Stimme, die eindeutig zu Isco gehörte. Unser Teamkollege ging gekrümmt zu Boden und hielt sich sein Auge. Gareth hingegen stand unversehrt vor mir und schaute genauso sprachlos wie ich. Ich hatte Isco anstelle des Walisers getroffen.
,,Was ist hier los?" rief eine weitere entsetzte Stimme hinter uns, Toni. Ich drehte mich um und sah ihn gefolgt von Marco und Lucas perplex in der Tür stehen.
,,Isco, was zum..." setzte der jüngste von uns an und rannte zu unserem Teamkollegen, der immer noch auf dem Boden saß. Behutsam schob er Iscos Hand weg, um sein Auge genauer betrachten zu können. ,,Du musst zum Mannschaftsarzt" hauchte Marco besorgt und half seinem Kollegen, dessen Augen langsam anschwellte und blau wurde, hoch.
,,Sag mir bitte, dass es nicht das ist, wonach es aussieht" verlangte Toni, nachdem Isco gestützt von Marco die Kabine verlassen hatte, und versuchte nicht panisch zu werden, was ihm nicht wirklich gelang.
,,Es ist nicht das wonach es aussieht" entgegnete ich direkt. Zumindest war es nicht ganz der Fall...
,,Das heißt, dass du für sein blaues Auge nicht verantwortlich bist?" erkundigte sich der Deutsche und ging ein paar Schritte auf mich zu.
Wissend, dass ich ihn wieder enttäuscht hatte, schloss ich die Augen und senkte den Kopf:,,Doch, aber ich wollte das nicht. Ich wollte eigentlich..."
,,Was wolltest du eigentlich?" hakte er weiter nach, als ich meinen Satz nicht beendete. Mir war klar, dass die Situation nicht verbesserte, in dem ihm erklärte, dass ich Gareth und nicht Isco treffen wollte und versuchte mir deswegen schnell eine andere Ausrede einfallen zulassen.
,,Mich, er wollte eigentlich mich treffen" ergriff der Waliser das Wort und zerstörte somit meine Pläne. Ich drehte mich vorwurfsvoll zu ihm -immerhin hatte er viel dafür getan, mich so wütend zumachen-, doch er zuckte nur mit den Schultern und somit widmete ich mich wieder Toni.
,,Ist das wahr?" wollte er wissen und klang noch enttäuschter als vorher. Seufzend nickte ich und spätestens jetzt war mir bewusst, dass ich wieder einmal alles ruiniert hatte. ,,Bist du komplett bescheuert?! Wieso schlägst du deine Teamkollegen?"
,,Er hat mich provoziert!" beteuerte ich und wenn ich an Gareths Worte zurückdachte, war das einzige, was ich bereute, Isco statt ihn getroffen zuhaben...
,,Das ist kein Grund, verdammt! Wir sind ein Team und müssen zusammenhalten, nicht uns gegenseitig ausschalten! Gott, ich erkenne dich überhaupt nicht mehr wieder" erwiderte Toni und wurde zum Ende hin immer leiser, was mein Herz verkrampfen ließ, ,,erst betrügst du mich, jetzt schlägst du deine Teamkollegen... das ist nicht der Mann, der mir vor vier Jahren ganz Madird gezeigt, mich jeden Donnerstagabend ausgeführt oder abends Stunden lang Lieder vorgespielt hat."
,,Es tut mir leid, ehrlich. Ich wollte nicht, dass das alles so kommt" seufzte ich und diesmal war ich der jenige, der auf ihn zuging, ,,ich will diese egozentrische und kalte Art loswerden, aber je länger ich von dir getrennt bin, desto schlechter kann ich sie kontrollieren. Die eine Nacht war ein Ausrutscher und wenn ich es rückgängig machen könnte, würde ich es sofort tun. Ich hasse mich dafür dich, die Person, die mehr liebe, als alles andere auf der Welt, so verletzt und hintergangen zuhaben." Langsam versuchte ich seine Hand zunehmen, was er zögerlich zuließ. Er blickte nur auf unsere Hände und ihm war deutlich anzusehen, dass er mit sich selbst kämpfte.
,,Sergio, ich..." fing er an, aber dann schüttelte er leicht den Kopf. Der Deutsche löste sich von mir und ging ein paar Schritte zurück:,,Du solltest mit Isco reden und dich bei ihm entschuldigen. Wir brauchen alle aus dem Team, um aus dieser kleinen Vereinskrise wieder herauszukommen."
,,Toni, du..." wollte ich erwidern, aber er war schon aus der Kabine geflüchtet. Gareth schnappte sich erst seine und dann Tonis Tasche und lief ihm mit den Worten ,,Er sollte jetzt nicht alleine sein" hinterher. Fluchend ließ ich mich wieder auf die Bank fallen und raufte mir deprimiert die Haare. Der Abend wurde immer besser...
,,Du bist so ein Vollidiot" murrte Lucas und setzte sich auf seinen Platz. Danke Lu, das auch noch von dir zu hören, hatte mir gefehlt. ,,Er war kurz davor dir zu verzeihen" fügte er seufzend hinzu und begann sich umzuziehen.
,,Wie meinst du das?" fragte ich verwundert und blickte zu ihm rüber.
,,Vor ein paar Tagen waren Isco, Nacho, Marco und ich bei Gareth und haben mit ihm geredet. Wie es ihm geht, ob er eine Ahnung hat, wie das zwischen euch weitergehen soll... er meinte, dass er dich liebe und dir eine zweite Chance geben wolle" berichtete mein Teamkollege, ,,aber wenn du von ihm noch eine Chance haben möchtest, solltest du aufhören, seine besten Freunde zuschlagen und ihm zeigen, dass er wirklich die Person ist, die du mehr liebst als alles andere auf der Welt."
,,Würdest du mir... helfen?" wollte ich zögerlich wissen. Ich hasste es, andere Menschen um Hilfe zu bitten oder mir helfen zulassen, aber in diesem Fall ging es meine Beziehung, für die alles tun wurde, um sie zu retten.
Lucas hörte auf seine Schuhe zubinden und sah verwirrt zu mir:,,Warte mal, du willst, dass ich dir helfe deine Beziehung zu richten? Nach dem Wahrheit oder Pflicht Spiel meintest du noch, dass ich mir so schnell es geht einen neuen Verein suchen sollte."
,,Ja, das... war nicht so gemeint. Ich war sauer auf dich, weil du dafür gesorgt hast, dass Toni die Sache herausfand, aber ich weiß, dass es mein Fehler war. Ich hätte es ihm schon viel früher sagen sollen."
,,Soll das eine Entschuldigung sein?" erkundigte er sich und fing an zu grinsen. Ich war in solchen Dingen noch nie gut gewesen.
,,Hilfst du mir jetzt?" antwortete ich mit einer Gegenfrage, um das Thema zu wechseln.
Lucas lächelte und nickte zustimmend:,,Ich helfe dir. Man muss nicht viel im Kopf haben, um zusehen, dass ihr beide am glücklichsten zusammen seid."
bin nicht ganz zufrieden, aber ich hoffe, dass er dir trotzdem gefällt🙊 im Laufe der nächsten Woche wird es dann den letzten Teil geben🖤🏹
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