Chapter 93: Brahim x Isco

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,,Ich habe die beste Idee aller Zeiten!" rief Marco auf einmal durch die halbleere Kabine. Wir hatten eben Training. Die Einen trainierten auf dem Platz mit dem Ball. Die Anderen absolvierten Muskeltraining im Kraftraum oder individuelles Training.

,,Hau raus. Was hattest du für einen Geistesblitz?" wollte ich wissen und sah amüsiert zu meinem Teamkollegen rüber.

Der Spanier stand von seinem Platz auf und gestikulierte wild mit seinen Armen:,,Passt auf Leute. Wir haben beim letzten Mannschaftsabend festgestellt, dass es langweilig wird, wenn wir immer nur dieselben Spiele spielen und einige haben keine Lust mehr auf Fifa oder Fortnite Turniere. Deswegen können wir den Mannschaftsabend aufpeppen, in dem wir jedes Mal ein anderes Motto haben!"

,,Zu jedem Mannschaftsabend ein Motto?" wiederholte Toni seine Idee und betrachtete ihn skeptisch, ,,was für Mottos sollen das sein?"

,,Das entscheidet derjenige, der den Mannschaftsabend austrägt. Er darf es sich frei aussuchen" erklärte Marco. Während die anderen weiter über Marcos Idee diskutierten, hielt ich mich raus und hörte im Hintergrund zu, während ich mich umzog.

,,Bist du sicher, dass das etwas an der Langeweile ändert? Ich meine, dass wir immer noch dieselben Spiele spielen würden" gab Lucas zu bedenken.

,,Nein, werden wir nicht" seufzte Marco schwer, ,,würde ich zum Beispiel den Mannschaftsabend organisieren und als mein Motto Spanien nehmen, würde es Paellas oder Tapas geben. Wir könnten Quizze zu Spanien in Teams machen oder irgendwelche spanischen Wörter erraten. Das wäre ein anderer Mannschaftsabend, als wenn Toni ihn gestalten und Deutschland nehmen würde."

,,Oh ja, ich sehe uns alle schon in Tonis Wohnzimmer Bier trinken, Kartoffelsalat essen und deutsche Vokabeln erraten" lachte James und auch die anderen konnten sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Zugeben, so einen Mannschaftsabend hatten wir noch nie...

,,Vergiss die deutsche Musik nicht" fügte Toni noch hinzu.

Keiner aus der Kabine konnte darauf noch etwas erwidern, da auf einmal die Kabinentür aufgerissen wurde. Schwer atmend stand Federico in der Tür und ließ seinen Blick schweifen, bis seine Augen bei mir hängenblieben:,,Isco, du musst sofort mitkommen!"

,,Was ist passiert?" erkundigte ich mich überrumpelt und machte meine Schuhe zu, ehe ich auf stand. Fede wirkte aufgelöst und gestresst.

,,Brahim ist zusammengebrochen. Vor dem Trainingsgelände steht ein Krankenwagen und bringt ihn gleich ins Krankenhaus" berichtete er mit zitternder Stimme.

,,Oh mein Gott..." Für einen Moment setzte mein Herz aus, bevor sich blanke Panik in meinem Körper breit machte. Sofort schnappte ich mir meine Tasche und stopfte die restlichen Klamotten darein. Anschließend lief ich zu Fede, der mich sofort zu meinem Freund brachte:,,Er ist zusammengebrochen? Einfach so?"

,,Wir sollten die restlichen Bälle zusammenräumen und Geräte wegbringen. Auf einmal blieb er stehen und hat die Tasche mit den Bällen fallen lassen. Ihm war übel und schwindelig" fasste Fede alles zusammen und fuhr sich durch die Haare, während wir den langen Gang entlangliefen, ,,dann hat er keine Luft mehr bekommen und ist umgekippt."

Als ich den Krankenwagen und das Blaulicht von weitem sah, hielt mich nichts mehr. Ich rannte los und wollte nur noch zu Brahim. Kurz vorher wurde ich von Zizou gestoppt, der meinte, dass ich mich beruhigen müsste und alles gut werden würde. Um ehrlich zu sein, bekam ich nicht einmal die Hälfte von dem mit, was er sagte. Viel zu sehr zogen die Sanitäter meine Aufmerksamkeit auf sich. Sie hatten Brahim auf eine Trage gelegt und waren dabei diese in den Krankenwagen zuschieben.

Auf der Fahrt ins Krankenhaus durfte ich Brahim im Krankenwagen begleiten. Die ganze Zeit über hielt ich seine Hand und redete ihm zu, was er nur für Sachen machte, wie sehr ich ihn liebte und brauchte und ihn nicht verlieren wollte. Der behandelnde Sanitäter beatmete ihm mit einer Atemmaske und erklärte, dass mein Freund sofort operiert werden müsste, wenn wir am Krankenhaus angekommen waren. Ich sollte solange im Wartebereich warten, bis sein behandelnder Arzt auf mich zukommen würde.

Stundenlang saß ich im Wartebereich und hatte immer wieder mit den Tränen zu kämpfen. Brahim konnte nicht von selbst atmen, musste operiert werden und kämpfte vermutlich um sein Leben. Zu wissen, dass es ihm so schlecht ging und nichts dagegen tun zu können, zerriss mir das Herz. Auch wenn ich wusste, dass er ein starker Kämpfer war und nicht daran denken wollte, was passieren würde, wenn er diesen Vorfall nicht überlebte, kam der Gedanke immer wieder auf. Ich liebte Brahim, mehr als alles andere auf der Welt und durfte er ihn nicht verlieren.

Einige meiner Teamkollegen fanden ihren Weg ins Krankenhaus. Auch wenn sie vermutlich so taten, als wäre es Zufall, dass Fede zu einem Termin musste, als Marco ankam oder Marco zu einer Verabredung musste, als Toni sich zu uns gesetzt hatte, war ich froh, dass immer einer von ihnen an meiner Seite war und ich diesen Albtraum nicht alleine durchstehen musste.

Nach langer Zeit kam endlich ein Oberarzt auf uns zu, gefolgt von einer Krankenschwester. Draußen war es mittlerweile dunkel geworden. ,,Sind Sie der Lebensgefährte von Brahim Abdelkader Díaz?" erkundigte sich der Arzt und kam vor uns zum Stehen.

,,Ja, ja der bin ich" gab ich zitternd zurück und sprang von meinem Platz auf, ,,wie geht es ihm? Hat er die OP gut überstanden? Wo ist er jetzt?"

,,Eins nach dem anderen, Señor. Ich kann ihnen sagen, dass Señor Díaz über dem Berg ist und das Schlimmste hinter sich hat. Der Notruf kam in letzter Sekunde" erzählte der Arzt.

Ich raufte mir die Haare und atmete tief durch. Brahim lebte. ,,Ihr Freund liegt nun auf der Intensivstation und wird überwacht" fuhr der Oberarzt fort, ,,wissen Sie, dass er Schmerzmittel nimmt?"

,,Ja... nein, er hat welche genommen. Eine Zeit lang hatte er Probleme mit dem Knie und konnte ohne Schmerzen nicht spielen, doch wollte es. Soweit ich weiß, hat er damals welche genommen und es niemanden erzählt. Irgendwann habe ich die Tabletten gefunden und ihn zur Rede gestellt. Er hat mir alles erklärt und versprochen, dass er sie nicht mehr nimmt. Brahim nimmt keine Schmerzmittel" stellte ich schnell klar.

,,Es tut mir leid, Señor, aber in dem Blut ihres Freundes wurden unheimlich viele Spuren von Schmerzmitteln gefunden, verschiedene Wirkstoffe. Was auch immer ihr Freund genommen hat, es war zu viel für seinen Körper." Während wir zu Brahims Zimmer liefen, versuchte der Arzt mir ruhig zu verdeutlichen, was Brahim hatte. Er erklärte mir, dass sie seinen Magen ausgepumpt hatten und seine Nieren kurz vor dem Versagen standen. Seine Nieren, die durch die vielen verschiedenen Schmerzmittel krank geworden waren, konnte beispielsweise nicht mal mehr Wasser aussondern, sodass sich das Wasser in anderen Organen einlagerte. Unter anderem in seiner Luge, was zur Atemnot führte.

Innerlich musste ich mich zusammenreißen, um nicht auszuticken. Brahim hatte mir versprochen, dass er die Finger von Schmerzmitteln ließ und zu unserem Teamarzt gehen würde, wenn sein Knie noch einmal wehtat. Scheinbar war das alles eine Lüge. Er hatte die Tabletten weiterhin genommen und sein Leben aufs Spiel gesetzt. ,,Sie können gerne zu ihm. Er ist zwar etwas müde, aber ansprechbar" lächelte die Krankenschwester und deutete auf Brahims Tür.

Der Arzt war mittlerweile verschwunden und Toni wartete unten auf mich. Wenn ich etwas brauchte, sollte ich ihm Bescheid sagen. Eine Weile betrachtete ich die Zimmertür und versuchte mich vergebens zusammenzureißen. Ich konnte nicht glauben, dass Brahim mich angelogen hatte. Es machte mich unheimlich wütend, dass er fast sich selbst umgebracht hatte, obwohl er wusste, wie gefährlich Schmerzmittel waren. Letztendlich brauchte ich noch einige Minuten, bevor ich an seine Zimmertür klopfte und sie nach einem zarten ,,herein" öffnete.

,,Du bist ein verfluchter Idiot" brach es sofort aus mir heraus, als ich die Zimmertür hinter mir geschlossen und mich zu Brahim gedrehte hatte. Er lag in einem Krankenbett, angeschlossen an unzähligen Geräten, und betrachtete mich fertig.

,,Is..." setzte er leise an, doch ich ließ ihn nicht zu Wort kommen. Ich war so unfassbar wütend und entsetzt:,,Du hast mir versprochen, dass das mit dem Schmerzmitteln eine einmalige Sache war!"

,,Sollte es auch sein, aber es wurde einfach nicht besser" murmelte er.

,,Dann hättest du verdammt nochmal zum Arzt gehen müssen! Das hättest du von Anfang an machen sollen!" hielt ich ihm vor. Er hätte uns das alles ersparen könnten, hätte er sich einfach an unsere Teamärzte gewandt.

,,Du verstehst das nicht" war das einzige, was Brahim darauf erwiderte. Für einen Moment schloss ich die Augen und versuchte mich zu sammeln, doch ich konnte es nicht. Die Tatsache, dass er nicht begriff, wie ernst seine Lage war, machte mich noch rasender:,,Tut mir leid, dass mir das Verständnis dafür fehlt, wenn du dich fast umbringst!"

,,Ich hatte es unter Kontrolle."

,,Unter Kontrolle? Du liegst im Krankenhaus, weil deine Nieren fast versagt hätten und das nennst du unter Kontrolle?!" schrie ich schon fast. Langsam spürte ich, wie mir Tränen in die Augen stiegen und sich Verzweiflung in mir breit machte.

,,Es tut mir leid" seufzte Brahim kleinlaut, schien endlich zu merken, was er angerichtet hatte.

,,Sollte es auch... du Idiot hättest sterben können" murrte ich. Meine Stimme bröckelte und die ganze Wut war verschwunden.

,,Isco" hauchte Brahim und blickte mich reumütig an.

,,Weißt du eigentlich, was das für ein Gefühl ist, wenn dein Teamkollege in die Kabine kommt und dir erzählt, dass die Liebe deines Lebens zusammengebrochen ist? Hast du eine Ahnung, wie weh es getan hat, dich bewusstlos im Krankenwagen zusehen, während du von einem Sanitäter beatmet wirst?" fragte ich kraftlos und fuhr mir übers Gesicht, ,,ich hatte das Gefühl, dass ich innerlich sterbe, als ich dich so gesehen habe. Du bedeutest mir so viel, dass ich ohne dich nicht leben will. Also, bitte. Tu mir das nicht noch einmal an und hör auf irgendwelche Tabletten zunehmen. Ich kann dich nicht verlieren."

,,Komm her, mi amor" forderte mich Brahim sanft auf und gab mir mit seiner Hand ein leichtes Zeichen, dass ich mich zu ihm aufs Bett setzen sollte. Zögerlich lief ich zu seinem Bett und setzte mich an die Kante. Brahim legte eine Hand an meine Wange und strich einige der Tränen weg, die ich nicht mehr zurückhalten konnte:,,Ich nehme nie wieder etwas, was ein Arzt mir nicht verschieben hat, versprochen. Es tut mir leid, dass du meinetwegen so gelitten hast. Nicht mal in Traum hätte ich gedacht, dass das so ausarten kann."

Hoffe er gefällt dir :3

Alle F1 Fans können übrigens gerne bei meinem neuen Buch vorbeischauen, in dem ich (versuche) Os zu Fahrern zuschreiben. Gerne könnt ihr auch Wünsche dalassen. Irgendwie muss man sich in der Sommerpause ja beschäftigen😅

Ansonsten wünsche ich euch noch einen schönen Tag💘

Lg. T.

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